Ich sehe, dass unsere Gesellschaft zerfällt, da es kaum noch Generationen, geschweige soziale Schichten oder die Klassen übergreifende Diskurse gibt. Man unterhält sich zwar, schreit sich an, argumentiert – aber man versteht sich immer weniger. (s. a. dieses
Phoenix-Interview) Die alten Leitmedien mit verbindender Funktion: Fernsehen, Zeitungen haben ausgedient, werden nicht mehr von allen akzeptiert, selbst verschuldet. Bessere Teile versuchen sich anzupassen, zu wandeln. Das Meiste verflacht und wird aber als wesentlicher Rest immer bleiben. Für die, die ruhig zu stellen sind, für die, die eh nur konsumieren wollen – und für die meisten aus der Gruppe, die ohne diese Medien Probleme mit dem Erhalten ihrer Macht bekommen würden: Politiker, Verleger und Verwerter, Bedeutungs-, Würden- und Amtsträger usw..
Das sind zumeist die, die mit dem Internet, dem Netz als Medium nichts anfangen können, es komplett falsch verstehen. Und deshalb Probleme haben, ihre Art zu Denken dorthin zu transponieren.
Die anderen sind die, die es so gut verstehen, die Chancen erkannt und es sich so zu eigen gemacht haben, dass sie überwiegend dort, im Netz, zu Hause sind, dort arbeiten, soziale Kontakte pflegen – jedenfalls ohne freies Internet nicht als freies Individuum existieren können. Und auch weil die freie Entfaltung eines jeden die Bedingung für die freie Entfaltung aller ist, wehren sie sich gegen die Übergriffe der Anderen. (Meist bekommen sie im Nachhinein auch vom Bundesverfassungsgericht Recht.) Ich verstehe das, ich unterstütze das, ich freue mich, dass mit der Piratenpartei da eine neue organisierte Bewegung am Wachsen ist, und zumindest mit diesen Themen den Etablierten Feuer unterm Hintern macht.
Aber ich glaube nicht wie Manche, dass sich das Problem der Zurückgebliebenen, das Problem der alten Männer mit Kugelschreibern, die das Internet ignorieren aber von Wissensgesellschaft schwadronieren, biologisch lösen wird! Da wird eine Kluft bleiben, denn meine Beobachtung ist: “das” wächst nach. Nicht nur dass fast alle Kollegen zwar selbstverständlich das Netz nutzen, aber kaum einer Interesse an Themen wie informationelle Selbstbestimmung, Privacy, Zensur, Netzsperren und Überwachung hat. Bei den Studenten scheint es leider auch nicht anders zu sein, zugespitzt: außer StudiVZ und Saugen was das Netz hergibt, ist da nicht viel. Ich mag befangen sein, bin aber überzeugt, dass da auf das Internet bezogen überwiegend nur wieder Konsumenten und brave
Untertanen Bürger heran wachsen! Die glauben, nichts zu verbergen zu haben, die das alles deshalb nicht tangiert.
Ergo bleibt statt Warten auf die biologische Lösung nur die Alternative der mühsamen Aufklärung und Lobbyarbeit. Wobei letztere an den Netzpolitik-Aktivisten aller Parteien hängen und schwierig bleibt, braucht doch die Fraktion der Netz-Ökonomen für ihre Distributions-Interessen nicht unbedingt ein freies Netz. Und trotzdem wird unsere Position wohl immer (?) eine Minderheitenposition bleiben.
(zum Thema s.a. bei
Jörg,
Kris und
Markus)
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