Donnerstag, 28. Mai 2009
... kann man die Online-Petition “Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” auf dem Petitionsserver des Deutschen Bundestages. Die Mitzeichnungsfrist läuft noch bis zum 16. Juni. Vor drei Wochen hatte ich keine Ahnung, ob 50.000 Petenten zusammenkommen. Inzwischen sind es über 100.000!
Warum? Netzsperren helfen keinem Kind, sind darüberhinaus nichts als Blendwerk – und Zensurinfrastruktur. Manche mit ehrlichen Absichten, nicht nur Politiker, mögen das nicht glauben oder verstehen, aber KiPo-Angebote löschen lassen funktioniert!
Freitag, 22. Mai 2009
 Auch diese Seite ist für Jugendliche gefährlich und wird vom JusProg Verein zur Förderung des Kinder- und Jugendschutzes in Telemedien e.V. als “Standard gesperrt” eingestuft!
So viel zu Netzsperren, Webfiltern etc..
Schlafe guten Gewissens weiter, wer solchen Mechanismen vertraut!
Man kann aber auch, und das ist besser, die Petition mitzeichnen, 100.000 Unterschriften sind machbar.
(via c0t0d0s0.org, Klick aufs Vorschaubild!)
Samstag, 14. Februar 2009
Letztens gab’s hier die Notiz, dass der Bundestag den ePerso und ELENA verabschiedet hat. Die Verquickung von politischem Handeln und wirtschaftlichen Interessen steht für mich außer Zweifel.
Jetzt hat der Bundesrat den ePerso ohne Debatte durchgewunken; ELENA parkt noch ‘mal kurz im Vermittlungsausschuss. Der CCC beklagt nicht nur die biometrische Zwangserfassung der Bürger, er sieht in der Initiative ein fehlgeleitetes Großprojekt zur Förderung der beteiligten Industriebranchen. Genau!
(via heise online)
Mittwoch, 11. Februar 2009
Timo Glaser (TU Berlin, Informatik und Gesellschaft) hat in Informatik Spektrum einen Text zur notwendigen Neupositionierung der Informatik zur Diskussion gestellt.
Seine Argumentation zur “Positionierung und Darstellung der Informatik als Struktur- und Koordinationswissenschaft und der Informatiker als interdisziplinäre Systementwickler und -analytiker” unterstütze ich voll und ganz. Dies ist nicht nur für die wahrzunehmende gesellschafts- und technologiekritische Rolle notwendig, auch würde sich die Attraktivität des Berufsbildes für bisherige “Verweigerer” verbessern. Der “Computer-Freak” bestimmt leider immer noch das öffentliche Bild der Informatik-Studierenden, hält vor allem weibliche Studieninteressierte davon ab, Informatik zu studieren.
Ich glaube allerdings nicht, dass ein verändertes Selbstbild, wenn es sich denn durchsetzen würde, unmittelbar oder in notwendig kurzer Zeit eine differenziertere Wahrnehmung in der Gesellschaft nach sich ziehen würde. Da gibt es keinen Automatismus, und Klischees halten sich länger, als man wahrhaben will.
Glaser zitiert Lessig und die vier Regulatoren des gesellschaftlichen Systems. Meine Beobachtung ist, dass Exekutive und Legislative oft genug nicht einmal das Recht (als staatliches Regulierungsinstrument) ernst genug nehmen, sondern regelmäßig über die Grenzen der verfassten Bürgerrechte hinausgehen (Vorratsdatenspeicherung etc.). In einem zweiten Schritt sollte deshalb vielleicht darüber nachgedacht werden, wie Anhörung und Mitwirkung der Informatiker bei den gesellschaftlich relevanten Entscheidungen erzwungen werden kann.
Dienstag, 23. Dezember 2008
Frauen sind in der Informationstechnologie unterrepräsentiert. Ihr Anteil hat sich in den letzten Jahren gar verringert, in den USA zum Beispiel von 36% in 1986 auf 17% in 2004. Die Programmiererinnen Ada Lovelace und Admiral Grace Murray Hopper wirken nicht mehr als Vorbild. Hierzulande das gleiche Dilemma, MINT wird vermutlich auch nicht viel ändern.
Warum ist das so? Anna Martelli Ravenscroft nennt in einem sehr interessanten Artikel im IEEE USA Today’s Engineer folgende Gründe: Diskriminierung, geringes Selbstvertrauen, negative Wahrnehmung der IT, geringere Vertrautheit im Umgang mit IT, das Fehlen von Rollenmodellen und Mentoren, das Geek-Stereotyp und letztlich die Selbstdefinition von IT. Das sind in meinen Augen soziologisch motivierte und evidente Erklärungen; der letzte Grund kritisiert die Selbstdarstellung der IT: Finally, IT is frequently defined too restrictively, excluding or ignoring areas such as Web design, animation, bioinformatics, statistical processing, educational technology, and experimental design. This too-narrow definition tends to exclude those who might otherwise enter through a “non-traditional” pathway.
s.a. “The EE Gender Gap Is Widening”, dort vor allem die Kommentare!
Mittwoch, 26. November 2008
Markus Hansen (ULD Schleswig-Holstein) und Andreas Pfitzmann (Informatik-Prof an der TU Dresden) sind erwiesenermaßen Experten in Sachen Online-Durchsuchung. Nun beschreiben sie in “Windei Bundestrojaner, Online-Durchsuchung vs. Gewährleistung von Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme” (c’t 25/08, S. 86) die geplanten Regelungen zur Online-Durchsuchung mit dem so genannten Bundestrojaner (BKA-Gesetz) als ein Instrumentarium, dass ziemlich ambivalent hinsichtlich der Wirksamkeit ist. Es ermöglicht einerseits “erfolgreich” den Datenschutz auszuhöhlen wobei “nebenbei” das vom Bundesverfassungsgericht neu formulierte Grundrecht auf “Integrität informationstechnischer Systeme” verletzt wird. Andererseits werden die gewonnenen Daten-Erkenntnisse keine vor Gericht verwertbaren Beweise (gegen Terroristen) liefern können, da sie nicht eindeutig zuordenbar sein können.
(via si tacuisses)
Letzte Woche, am Donnerstag, kreiste ein BGS-Hubschrauber über der Darmstädter Innenstadt: die Bundeskanzlerin und andere Prominenz feierten sich auf dem dritten nationalen IT-Gipfeltreffen. Die Darmstädter Erklärung kündigt an, dass das Internet dank staatlicher (BSI) Aktivität und der einer großen, rosa Spitzelfirma nun auch für jeden einzelnen Bürger endlich sicher werden wird:
"Nur Säbelrasseln?" vollständig lesen
Montag, 23. Juni 2008
Kann ein ungewollter onmouseover-Effekt zum Bumerang werden, zum sprichwörtlichen, Chaos verursachenden Flügelschlag eines Schmetterlings am Amazonas? – Ich glaube nicht, wenn es im eGovernment-Geschäft passiert. Dieses ist zu träge, manchmal durchaus im positiven Sinne.
Die wirklich großen, maßlosen Schweinereien mit unseren Daten passieren woanders. Zum Beispiel mit ELENA, dem elektronischen Einkommensnachweis, der zentralen Speicherung aller einkommensrelevanten Daten. Dabei interessiert mich übrigens, wieso der Datenschutzbeauftragte (des Bundes?) plötzlich dafür sein soll. Vor einem Jahr, auf der GI-Tagung “Kontrolle durch Transparenz – Transparenz durch Kontrolle” hörte sich das aus dem Munde eines hochrangigen Vertreters der Behörde und vom Landesdatenschutzbeauftragten aus Schleswig-Holstein noch anders an.
(via golem.de, faz.net)
UPDATE: s. heise-online zur Melderegisterpanne und zu ELENA (Das ULD bleibt bei seiner Meinung.) Die Bundesregierung hat’s beschlossen.
Mittwoch, 21. Mai 2008
Detlef Borchers berichtet bei heise relativ ausführlich vom Schaulaufen der eCard-Lobby in München, über den Stand der Dinge in Sachen elektronischer Personalausweis, elektronischer Gesundheitskarte (eGK) und elektronischer Einkommenssteuernachweis (ELENA).
Wenn alles demnächst vom Kabinett durchgewunken und an den Start gegangen sein wird, wird man das Krisenmanagement beobachten dürfen...
Sonntag, 20. April 2008
Im Rahmen des ueber morgen Filmfestivals zeigt der Mainzer CCC am 25.04.2008 im hiesigen Capitol Linklaters Dick-Verfilmung “ A Scanner Darkly”.
(Tipp vom Haken, Flyer vom CCCMZ)
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