

Der
Great Glen Way führt durch das geologische Gebiet des
Great Glen, von der Atlantik- bis zur Nordseeküste Schottlands. Im Great Glen gibt es seit 1822 den von
Thomas Telford ingenieurtechnisch zu verantwortenden
Caledonian Canal, eine Wasserstraße durch mehrere Seen, die um vier gebaute Kanalabschnitte ergänzt wurde. Die Seen und Flüsse heißen, von der Atlantik- bis zur Nordseeküste: Loch Linnhe, River Lochy, Loch Lochy, Loch Oich, River Oich, Loch Ness, Loch Dochfour, River Ness. “Parallel” zu den Fluss- gibt es die Kanalabschnitte.
Der Caledonian Canal selbst ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung von Telford. (Auch damals schon wurden solche Großprojekte nicht rechtzeitig und im kalkulierten Kostenrahmen fertig.) Er beginnt in Corpach bei Fort William, dort ist das westliche Sea Lock, und endet mit dem östlichen Sea Lock in Clachnaharry bei Inverness. Es gibt insgesamt 29 Locks / Schleusen (einschließlich derer 8 kurz nach dem Beginn im Westen: “Neptune’s Staircase” in Banavie bei Fort William), mit deren Hilfe die Boote und Schiffe auf 32 m über Meerespiegel gehoben und wieder gesenkt werden, 4 Aquädukte und 10 Schwing-Brücken.

Der Wanderweg beginnt in
Fort William, geht am Ufer der jeweiligen Seen, am Kanal – oft zwischen Kanal und natürlichen Flüssen – sowie hoch über den Seen entlang. Die letzte Etappe weicht dann etwas ab, es geht über eine Hochebene nach
Inverness. Insgesamt sind es etwa 120 km.

Das Wandern dort im Great Glen von B&B (und einmal Jugendherberge) hat uns viel Vergnügen bereitet. Die Gastgeber waren nicht so gestresst wie zumeist auf dem
West Highland Way. Es gab freundlichen und interessanten Smalltalk mit ihnen, insbesondere mit dem
Munroisten Mike, einem GGW-Ranger und anderen Wanderern.
Man kann sich das
Terrain bei Google Maps detailliert anschauen.
Mehr Bilder und ein paar Kommentare...

1. Etappe: Fort William - Gairlochy, via Corpach; 18 km, 5 h
Der Weg startet an den Ruinen des alten Forts, geht dann entlang am River Lochy, vorbei am Inverlochy Castle, nach Corpach am Loch Linnhe / Loch Eil. Dort beginnt mit einem Sea Lock, der ersten Schleuse, der Caledonian Canal. Kurz danach, in Banavie kommt “Neptun’s Staircase”, eine Aufeinanderfolge von 8 Schleusen (9 Tore) mit denen ein Höhenunterschied von 20 m überwunden wird. Auf dem Treidelpfad zwischen dem River Lochy und dem Kanal geht’s dann über ein Aquädukt und an der ältesten noch erhaltenen Swing Bridge vorbei nach Gairlochy. Dort konnten wir am Abend viele Wildgänse – aus Grönland kommend – beobachten.

2. Etappe: Gairlochy - South Laggan, 23 km, 6 h
Ein sehr schöner Weg am Nord-Ufer bzw. hoch über dem Ufer des Loch Lochy, mit Tee- und Plauderpause in der Hütte der GGW-Ranger. Laggan besteht aus ein paar Häusern an der Straße und dem Kanalabschnitt zwischen Loch Lochy und Loch Oich.

3. Etappe: South Laggan - Fort Augustus, 16 km, 4,5 h
Zunächst ein Waldweg am südlichen Ufer des Loch Oich. Im River Oich eine sehr schöne, weißbrüstige, hüpfende, gelegentlich tauchende Wasseramsel beobachtet. Danach am Kanal, zwischen diesem und dem River Oich bis nach Fort Augustus. Tiefflieger (wie auch in den folgenden Tagen) über dem Glen. Fort Augustus ist ein symphatisches kleines Städtchen, es liegt bereits am Ufer des Loch Ness. Dort, im
Bank House bei Mike Buchanan das schönste B&B der gesamten Reise: Zimmer mit Blick auf den Loch Ness, aus den Erkerfenstern des Frühstückszimmers ein toller Blick auf die Kaskade der Schleusen.

4. Etappe: Fort Augustus - Invermoriston, 13 km, 4,5 h
Der Weg geht am hoch über dem nördlichen Ufer des Loch Ness entlang. Nach der Wasser- und Klimascheide (zwischen Laggan und Fort Augustus) sind die Brombeeren plötzlich deutlich kleiner und nicht mehr so süß...

5. Etappe: Invermoriston - Drumnadrochit, 23 km, 6,25 h
Ein sehr schöner Weg mit mehreren steilen Anstiegen führt hoch am nördlichen Ufer entlang ins Etappenziel. Es gibt irre viele und große Pilze in den Wäldern des Glen; niemand scheint sich dafür zu interessieren.

6. Etappe: Drumnadrochit - Inverness, 29 km, 7,5 h
Die letzte Etappe war ein harter Brocken, steile Anstiege am Anfang, dann lange monotone Wege über eine Hochebene und durch einen Forst, schließlich der Abstieg zur Stadt. In Inverness führt der Weg an neuen, modernen Freizeitanlagen vorbei ins Zentrum zum Pseudo-Schloss.
Vermutlich wollten die Stadtväter diese Wegführung. Auf diese Weise bekommt man nichts vom Loch Dochfour sowie fast nichts vom River Ness und Kanal außerhalb der Stadt, geschweige denn von den letzten paar hundert Metern bis zum abschließenden Sea Lock an der Nordsee, mit. An letzterem Ort, in Clachnaharry waren wir dann am Folgetag.
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