Ich gestehe, ich war das erste Mal seit 1990 auf einer
Wahlkampfveranstaltung.
Die berliner Grünen hatten geladen, der Tipp kam vom
sabbeljan, das Thema ist hochinteressant, Cohn-Bendit vs. Broder versprach der Papierform nach eine gehaltvolle und vielleicht anregende Kontroverse. Wieland ist thematisch seit Jahren involviert.
Es war eine Enttäuschung. Die Herren Bundes- und Europapolitiker schwebten in ihrer vom gemeinen Volk abgehobenen, abgeschotteten Sphäre, feierten sich und Politik als Show, dabei Insiderwissen als Sonne und Schirm gleichzeitig benutzend. Der Landespolitiker, eigentlich der Gastgeber, wurde gerade noch so am Rande geduldet. Dabei kamen von ihm, von Ratzmann, die rationalsten, vernünftigsten Argumente des Abends, irgendwie noch mit dem Klientel verbunden. Wieland wurde seiner Moderatoren-Rolle nicht gerecht, ließ Cohn-Bendit unangenehm schreiend den Abend bestreiten. Dieser und Broder sind inhaltlich ziemlich dicht beieinander, die Differenz sind Hahnenkämpfe. Wobei Broder besser in Zusammenhängen argumentiert, also mehr hängenbleibt.
9/11 und in der Folge die
Verschwörungstheorien, die Anschläge von London, Madrid, die Kriege und anhaltenden Konflikte in Afghanistan, Irak, Iran, im Nahen Osten haben die Welt verändert, verändern weiter den deutschen Rechtsstaat. Die Präferenzen der Bürger verschieben sich von Freiheitsrechten hin zu Sicherheit und damit verbundenem Abbau ersterer; das war im Podium (außer bei Ratzmann, der wenigstens zu recht eine klare Linie der Grünen in der Sache forderte) und auch überwiegend im Auditorium der Veranstaltung nicht anders. Videoüberwachung, Terrordatei usw. werden mit grünem Segen salonfähig. “Aber der Datenschutz” blieb da ein einsamer, hilfloser, unerwiderter Zwischenruf.
Etwas abgesetzt noch ein Lesetipp: Interview der Netzzeitung mit Thomas Macho,
“Am schlimmsten ist der Terror der Regierenden”
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