Linux vs. Solaris, das ist ein kommendes Streitthema im professionellen IT-Bereich (nicht in dem der Heimanwender und Halbwissen-Träger). Es raschelt im Blätterwald aka in der Blogosphäre, die Verlautbarer in den Beratungsunternehmen, Fachmedien und PR-Abteilungen argumentieren, wie es ihnen ins Konzept passt.
Letztens hatte ich
hier eine vergleichende Tabelle eines Beratungsunternehmens, derzufolge Solaris in Sachen Skalierbarkeit und Performance sowie Stabilität und Recovery einsame Spitze ist. Preislich sah es in dieser Zusammenstellung freilich genau entgegengesetzt aus. Doch anderswo rechnet man anders (professioneller?): Die beiden großen Linux-Distributoren nehmen
offensichtlich für ihre Enterprise-Editionen horrende Wartungsgebühren - ja 24/7-Wartungsvertrag, hey, wir reden von unternehmenskritischem Einsatz, nicht von einem mit Heim-Adminstrator. Und da ist Solaris selbst auf Sun-Hardware
deutlich günstiger.
Jörg Möllenkamp kritisiert bei dieser Gelegenheit in “
Von der Professionalisierung der Deprofessionalisierung” “dilletantisches Zukurzdenken” (ein schönes Beispiel: selfmaded Firewalls based on Linux vs. Appliances) und “Decisionmaking by PC-Welt” unter den IT-Entscheidern in Unternehmen und im Public Sector. Die konstatierte Entprofessionalisierung führe zu einer großen Verunsicherung, die von unzähligen Studien erzeugt und durch das Erzeugen von Beratungsbedarf zugleich ausgenutzt wird. (Die größten Scharlatane sind m.M. nach die, die den Schlachtruf “Komplexität reduzieren!” auf den Lippen führen. — Dazu gibt’s übrigens
dort einen guten Schwerpunkt.) Jörg Möllenkamp kritisiert insbesondere die Migrations-Manie hin zu Open Source. Migrationen würden in den seltensten Fällen aus technologischen Gründen erfolgen, fast immer sind es psychologische wie die Angst vor der Abhängigkeit eines Herstellers.
Was ist im Falle von OpenSource nun passiert? Eine Vielzahl von Analysten, Medien und Firmen haben in seltsamer Einigkeit folgende Meme gestreut:
- Software eines professionellen Herstellers engt den Benutzer ein, sie liegt nicht im Source vor, und ist somit der Weiterentwicklung einer IT-Abteilung hinderlich.
- OpenSource-Software ist kostenlos, jeder kann mitmachen, der Nutzer wird nicht eingeengt.
Wiederholt man diese Meme nur oft genug, so fangen sie sich in den Gedanken der Entscheider. Das Problem ist nur, dass zum einen diese Meme wie bei jeder guten Salesstrategie die Hälfte der Geschichte ist und zum anderen selten technisch unterlegt wird.
Zu guter Letzt bringt Möllenkamp ein Plädoyer gegen das Outsourcing, für eine Stärkung der IT-Abteilungen in den Unternehmen. Insgesamt ein von außen nachvollziehbarer Blick in den Alltag von, in die Beziehungsgeflechte bei IT-Projekten.
Dass Totgesagte oft länger leben, ist eine Binse. Ich hatte mich
gelegentlich schon darüber gefreut. Aber die Profis müssen ja richtig angefixt sein...
Ein testender Admin zur Sunfire T2000:
Sollte Sun jetzt nach einigen Jahren Durststrecke und vertriebstechnischer Amokläufe doch tatsächlich wieder zu dem zurückkehren, wofür sie früher bekannt waren, nämlich Innovation auch bei Hardware anstelle von die Kunden und Dienstleister zunehmend verunsicherndem Wahnsinn, der letztlich nur für den Heiseticker wirklich taugte? Ich bin immer noch mißtrauisch, daß das im Vergleich zu seinem Vorgänger überraschend hypergeniale Solaris 10 eine Einzelleistung gewesen sein könnte, aber seit heute keimt hier wieder ein kleines Feuerchen der Hoffnung in mir auf, daß auch bei Hardware wieder Meilensteine für IT’ler gesetzt werden könnten.
Linux nur ein
Meme? Ich denke: nein. Aber auch. Jedenfalls bin ich auf die der kommenden
iX beiliegenden
OpenSolaris-DVD gespannt. Auf der alten Kiste in der Ecke wird dann eine Partition freigeräumt, das erste mal wieder für Solaris, seit der damals ersten x86-Distribution, Ende der 90er.
(ursprünglicher Einstiegspunkt war
dort bei Isotopp)
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